Tutti uguali – Tutti differenti: Young Europeans come together to learn how to embrace human rights

“Wir sind soo verschieden und haben die gleichen Rechte!”
e.p.a. Internationale Jugendbegegnung Sizilien 2017

„Endlich Sommer!“ Ahmad, 17 Jahre, lacht, gefragt nach seinen Erinnerungen der internationalen Jugendbegegnung auf Sizilien im Juli 2017 bei 35 Grad!

Zwei Wochen hat Ahmad gemeinsam mit 60 Jugendlichen aus Italien, Spanien, England, Slowakei, Portugal, Slowenien und Deutschland verbracht – diskutiert, gelacht, manchmal auch geweint, getanzt, gestaunt und vor allem viel gelernt, über andere und über sich selbst.

Die Jugendbegegnung unter dem Titel "Tutti uguali - tutti differenti: Young Europeans come together to learn how to embrace human rights” nahm das Thema Menschenrechte in den Blick und wurde vom Europäischen Jugendprogramm „Erasmus+ Jugend in Aktion“ gefördert. „Ich habe gelernt, dass obwohl wir alle verschieden sind, wir alle genau die gleichen Rechte haben“, berichtet Ahmad. Dies wurde auch während der Begegnung in der Praxis gelebt: „Wir haben uns alle gegenseitig so akzeptiert, wie wir sind.“

Ahmad gehört zur Jugendgruppe des Abenteuerspielplatzes am Brunnenhof auf St.Pauli. Die „Bauis“ trafen sich seit Herbst letzten Jahres jede Woche, um als Gruppe zusammenzufinden und ihren eigenen Workshop für die Begegnung vorzubereiten.

Denn wie immer auf e.p.a. Jugendbegegnungen, waren es die Jugendlichen, die für die Gestaltung des Programms und der Workshops zuständig waren. „Wir haben ein Rollenspiel über Vorurteile vorbereitet, bei dem Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben in eine Disko gehen wollen und von den Türstehern gestoppt werden.“ Das Thema fand gute Resonanz. Da die meisten Teilnehmenden aus multikulturellen Stadtteilen der europäischen Großstädte kamen, kannten sie die Probleme der Vorurteile und Alltagsdiskriminierung nur zu gut. So auch Ahmad. „Aber für diese zwei Wochen spielte dein Hintergrund keine Rolle, es war egal, wo du herkommst“, schildert Ahmad.

Vor einem Jahr waren die “Bauis" selbst die Gastgebergruppe einer internationalen Begegnung in Hamburg und auf Sylt. Ahmad war damals zum ersten Mal dabei. Er erinnert sich noch an seine anfängliche Unsicherheit mit den vielen Sprachen und Menschen. Dieses Jahr konnte er bereits andere dabei unterstützen, ein Teil der Gruppe zu werden. Er hat sich auf Englisch, Deutsch und Arabisch unterhalten und dazwischen auch noch ein paar Wörter Spanisch und Italienisch gelernt. Ahmad lächelt: „Und irgendwie ging es auch ohne Sprache, wir haben viel gespielt“. Außerdem hat er auf Sizilien seine Angst vorm Meer überwinden können. Vor einem Jahr auf Sylt zuckte er beim Anblick der Nordsee noch zusammen, diesmal fing er an, sich dem Wasser zu nähern und traute sich schwimmen zu lernen.  Für Ahmad war die Begegnung in Italien auch etwas besonderes, da er erst seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebt und zum ersten Mal seit seiner Flucht aus Syrien außerhalb von Deutschland war. Auch war das seine erste Reise mit dem Flugzeug. Neben Ahmad nahmen aus Hamburg noch drei weitere Jugendliche mit Fluchterfahrung teil. Obwohl zwei von ihnen eine Ablehnung im Asylverfahren erhalten haben und damit Deutschland eigentlich nicht verlassen dürften, konnten die Betreuer die Ausländerbehörde – auch mit Unterstützung des Hamburger Landesjugendamts – überzeugen, Sondergenehmigungen für die Aus- und Wiedereinreise auszustellen. Am Flughafen gab es noch eine Aufregung, weil die Fluggesellschaft keine Reisenden ohne Pässe mitnehmen wollte, die Polizei bestätigte, dass alle Papiere in Ordnung seien und schließlich konnte die Gruppe doch zusammen losfliegen. „Ich möchte andere Jugendliche mit Fluchterfahrungen unbedingt dazu ermutigen, an einer internationalen Begegnung teil zu nehmen. Es ist alles möglich, unabhängig vom Bleibestatus“, erzählt der Gymnasiast in fließendem Deutsch.

Ahmad hat mit den anderen Teilnehmenden auch viel über sein Leben und über die Situation in Syrien geredet und seine Fluchtgeschichte erzählt: „Ich fand es sehr befreiend, dass mir die Anderen zuhörten und niemand mich verurteilt hat. Das hat mir ein neues Selbstbewusstsein gegeben, Freundschaften zu schließen, auch in Deutschland.“

Das Projekt wurde betreut von e.p.a., european play work association e.V., einem  internationalen Netzwerk von Jugend- und Stadtteilinitiativen mit Sitz in Hamburg, und mit langjähriger Erfahrung im internationalen Fachkräfteaustausch und der Organisation und Betreuung von Jugendbegegnungen, insbesondere mit Jugendlichen in benachteiligten Lebenssituationen.

Für den Sommer 2018 plant e.p.a. mit den Partnergruppen bereits die nächste Jugendbegegnung, diesmal in Portugal. „Natürlich würde ich gerne wieder teilnehmen, aber vielleicht ist es auch fair, neuen Jugendlichen diese Chance zu geben,“ überlegt Ahmad. „Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen. Sie haben mein Leben im Großen und Ganzen nicht geändert, aber mich haben sie sehr verändert. Ich verurteile andere nicht mehr beim ersten Blick und bin viel offener für neue Menschen und Situationen. Und vorm Wasser habe ich auch keine Angst mehr“.

 

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Das Programm kann hier heruntergeladen werden!

 

Dieses Projekt wurde von der
Europäischen Union gefördert